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Von Moses, Osmose und Morsen:

Wie das Teilen in Wahrheit vereint

Claudia Otto

Moses teilte nach der biblische Überlieferung das Meer, um die Isrealiten vor den heranrückenden ägyptischen Streitkräften zu retten. Das Wasser des Meeres drängte mauerähnlich zur Seite und schuf eine sichere Schneise dort, wo sonst kein Durchkommen gewesen wäre. Das nachfolgende Heer des Pharaos jedoch hatte nicht so viel Glück und ertrank nach den Überlieferungen des sog. Exodus[1]. Forscher sind der Ansicht, dass sich das Geschehen der Flucht über Meeresboden tatsächlich ereignet haben könnte.[2] Das Teilen verband die dieselben (Schutz-)Interessen verbindenden Menschen.

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Die Osmose beschreibt einen Vorgang, bei dem die Konzentrationsunterschiede zweier beteiligter Seiten ausgeglichen werden. Der Fluss von Substanzen durch eine sie teilende, sog. semipermeable Membran dient der Herstellung eines Gleichgewichts. Hier werden also Substanzen geteilt, um in Verbindung treten und bleiben zu können.

 

Morsen ist eine im 19. Jahrhundert von Samuel F. B. Morse erfundene, interkulturelle Kommunikationsform für die Übermittlung von Nachrichten über große Distanzen hinweg. Seine Einfachheit und der geringe technische Erzeugungsaufwand haben es bis heute lebendig und, zumindest im Amateurfunk, im Einsatz gehalten; 2014 wurde die Morsetelegrafie in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes i.S.d. Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.[3] Heute erfolgt die räumlich voneinander getrennte Menschen verbindende Nachrichtenübermittlung auf einem technisch sehr viel höheren Niveau. Dies ist nur möglich, weil auch sie ihr Wissen, ihre Technologien und Entwicklungen miteinander teilen.

 

Diese drei Beispiele zeigen, dass Teilen das entscheidende Bindeglied zwischen Trennung und Verbindung ist. Auch die Sharing Economy, ein sozio-ökonomisches System basierend auf dem Teilen von Ressourcen, gewinnt in Zeiten des Bedarfs  –  bei gleichzeitig bestehendem Mangel der benötigten Ressourcen – an erheblicher Bedeutung. Das Sharing reicht dabei von Sammelfahrten im Auto über die geliehene Bohrmaschine bis hin zum kostenfrei zur Verfügung gestellten Schlafsofa.

 

Das Teilen findet, wie die Geschichte Moses‘ zeigt, seine Grenze in der Verletzung von Rechten Dritter. Aktuelle Beispiele hierfür sind Streaming-Portale und der Vertrieb von multimedialen Geräten, die das Abspielen von rechtswidrig im Internet zugänglichen Inhalten wie Filmen ermöglichen.[4] Doch zwischen dem in Privat- und Intimsphäre Verbindenden und Missbrauchenden bzw. Verletzenden liegen zahlreiche Nuancen rechtlicher Fragen. Eine jedermann u.U. treffende, jedoch nicht einfach zu beantwortende Frage ist die der steuerlichen Behandlung von Sharing. Einen pioniergleichen tiefen Einblick in die Fragen des Sharing-Umsatzsteuerrechts bietet im Folgenden Herr Dr. Frederek Schuska.

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[1]  Vgl. Exodus/2. Buch Mose, Kapitel 13 und 14, Luther-Bibel in der Revision von 1984.

[2]  https://www.focus.de/wissen/mensch/bibel-forscher-moses-hat-das-rote-meer-tatsaechlich-geteilt_id_6041397.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar 2018).

[3]  Deutsche UNESCO-Kommission, Morsetelegrafie, Aufnahmejahr 2014, http://www.unesco.de/kultur/immaterielles-kulturerbe/bundesweites-verzeichnis/eintrag/morsetelegrafie.html (zuletzt abgerufen am 29. Januar 2018).

[4]  Vgl. insbesondere EuGH, „Filmspeler“-Urteil vom 26. April 2017 in der Rechtssache C-527/15 (Stichting Brein vs. Jack Frederik Wullems), http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=190142&mode=req&pageIndex=1&dir=&occ=first&part=1&text=&doclang=DE&cid=260587 (zuletzt abgerufen am 29. Januar 2018).

 

Titelbild: © egilshay via Adobe Stock, #105403377