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Unheimliche Begegnungen mit der dritten Art

Von Smart Contracts, elektronischen Personen und sonstigen Sci-Fi-Highs

Claudia Otto

Die Menschheit erreicht ein strahlendes Sonnensystem mit aneinandergereihten Planeten in Würfelform, auf denen sog. Smart Contracts leben: eine Lebensform, die besser, willenloser, anspruchsloser und ausbeutbarer sein soll als jedes fressende, Mist produzierende, Schlaf brauchende und von Krankheit bedrohte Nutzvieh.

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Smart Contracts sollen zudem Verträge sein, die sich selbst vollziehen können und jeden automatisch heimsuchen, noch bevor der seine Vertragspflichten nicht erfüllt. Sogar nach mancher Juristenauffassung erfolgt die Heimsuchung nicht durch Gerichtsvollzieher oder Inkassobüros, sondern durch Smart Contracts von Würfelplaneten ohne Kostenrechnung, ohne Rechte und Pflichten und ohne schlechtes Image. Anstatt einen Baseballschläger vorgeblich für ein anstehendes Spiel mitzuführen, gehen Smart Contracts gänzlich nötigungsfrei ans Eingemachte: sie greifen in ihrer strafrechtlichen Unbelangbarkeit unmittelbar dem voraussichtlich säumigen Vertragspartner in die Tasche, oder in die Steuerung – ganz nach Belieben des Würfelplanetenherrschers. Smart ist gebräuchlich geworden als ein Synonym für legal – denn “code is law”.

Smart Contracts wären auch keine smarten Kontrakte, wenn sie nach allgemeiner Dar- und Vorstellung nicht selbst im Rechtsverkehr kontrahieren könnten. Ob elektronische Person, e-Person oder Bot genannt, sie sollen sowohl Verkürzung als auch Erweiterung unseres Willens, unserer Gedanken, Wünsche und Wahrnehmung sein: sie sollen uns das Leben erleichtern. Aber vor allem das selbständige Denken obsolet machen und die menschliche Bodenhaftung aufheben.

Wo Träume durch smarte Applikationen oder künstliche neuronale Netze wahr zu werden scheinen, schalten sich so manche biologische Synapsen automatisch ab….

Titelbild: © FIO CRACHO via Adobe Stock, #52503712