Our Top 18 – Literatur und Podcasts zu „Irgendwas mit Recht – Folge 50“

Eine nicht abschließende Aufzählung. Direkt zum Podcast geht’s hier entlang (Bildklick):

Irgendwas mit Recht - Folge 50

Innovation und Recht

 

Am Rande der Aufzeichnung zur Jubiläumsepisode 50 von Irgendwas mit Recht (www.irgendwasmitrecht.de) bot sich Gelegenheit, einmal gemeinsam über diejenigen Podcasts, Bücher und sonstige Literatur zu reflektieren, welche uns die letzten Jahre über begleitet haben. Einige haben zu unserer juristischen und nichtjuristischen Innovation beigetragen, andere sind pures Entertainment. Dabei liegt der Fokus nicht ausschließlich auf Legal und/oder Tech, wenngleich sich unsere Interessen in der Auswahl natürlich wiederfinden. Los geht’s:

Claudia:

Meine Literaturliste stellt kein Ranking dar. Alle Werke sind für mich persönlich von sehr hoher Relevanz und gleichem Wert betreffend Innovation. Ich bin überzeugt, wir können die Entwicklungen um neue Technologien in der Menschenwelt nicht verstehen und steuern, wenn wir uns selbst nicht verstehen:

Für mich persönlich war die Entdeckung dieses Papiers die Entdeckung meines und die Grundlage für die Befriedung des Kriegs gegen mein Selbst. Ich hatte zum ersten Mal verstanden, dass meine Denkweise kreativ und nicht abnorm ist. Und dass sie mich befähigt, nicht behindert. Insgesamt kann Funke’s Arbeit als Anleitung und Motivation verstanden werden, dem eigenen Denken mehr Freiraum zu geben. Damit meine ich vor allem, sich nicht nur mit dem Blick über den Tellerrand zu begnügen, sondern vom Teller hinabzusteigen und, inspiriert von der bunten Welt abseits des eigenen Porzellans, Ideen für ein neues Gericht mitzubringen. 

  • Hannah Arendt, Die Freiheit, frei zu sein (dtv, Deutsche Erstausgabe 2018)

Neben seiner heute sehr hohen politischen und gesellschaftlichen Relevanz gibt dieses Essay (hoffentlich) ein Gefühl dafür, wie leicht wir uns selbst unserer Freiheiten begeben können, wenn wir (zu) bequem werden. Technische Innovation darf nicht zu Deprivation führen. „Ich habe nichts zu verbergen“ (oft geäußert im Rahmen der Diskussion zu technischer Überwachung) und „Ich tue es, weil es die anderen tun/wollen“ (direkte oder indirekte Aussagen im Zusammenhang mit der Installation der Corona-Warn-App) sind nur zwei Beispiele für die Aufgabe von Freiheiten, die, bei genauerer Betrachtung, nicht freiwillig ist. 

  • Gustave Le Bon, Psychologie der Massen (1895, verschiedene Ausgaben sind z.B. im Apple-Bookstore für unter 1 EUR verfügbar)

Dieses Buch ist in Zeiten von hoher Vernetzung, in der ein Tweet, ähnlich einem Schmetterlingsflügelschlag, eine Massenbewegung auslösen kann, von besonderer Relevanz. Über soziale Netzwerke lassen sich falsche Informationen auch über neue Technologien verbreiten, die unüberprüft übernommen und weitergegeben werden. Unter Ausnutzung dieses Ansteckungsverfahrens konnte beispielsweise die russische FaceApp binnen kurzer Zeit unzählige biometrische Daten einsammeln. Erschreckend zu beobachten ist daneben, wie ausgelöste Emotionen auch die vermeintlich Vernünftigsten hin zu einem aggressiven Herdentier verändern können. Trollarmeen tun im schlimmsten Fall den Rest, um Kritiker und die Masse auf Linie zu bringen. Massen brauchen keine physische Masse mehr. Die daraus folgende Unsichtbarkeit macht die (sozio-) psychologisch verbundene Masse in der sich immer mehr digitalisierenden Welt umso gefährlicher. Der beste Schutz der Gesellschaft davor, wie eine Herde getrieben zu werden, ist die konstante Aufklärung und die Gewährleistung der angstlosen Wahrnehmbarkeit der Freiheit individuellen Denkens und Meinens, der Freiheit seiner Kundgabe und des Austauschs mit dem Ziel der Findung einer gemeinsamen Lösung.

  • Robert Sapolsky, Behave (Vintage, 2017)

In einem mich sehr begeisternden Schreibstil nimmt Sapolsky, Neuroendokrinologe, die Analyse menschlichen Verhaltens vor und zeigt, dass dieses nicht schlicht biologischen oder psychologischen oder kulturellen Ursprungs ist, sondern das Ergebnis deren Zusammenspiels. Ich frage mich, was die neuen Technologien aus uns Menschen machen werden. Werden wir „besser“ oder gar „schlechter“? Wer wirkt mehr auf den anderen in dieser besonderen Beziehung ein? 

  • Katharina Zweig, Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl (Heyne, 2019)

Ausnahmsweise habe ich, als nicht-auditiver Lerner, nur das Hörbuch geladen, weil ich in relativ kurzer Zeit und nebenbei das Buch durchgehen wollte. Von der Art und Weise der Aufbereitung sowie Vermittlung des Stoffs für Menschen jedes Alters und jedes Ausbildungsstands bin ich sehr angetan. Wer die Grundlagen von sog. Künstlicher Intelligenz verstehen möchte, sollte hier beginnen. 

Sebastian:

Ich bin, zugegeben, ein Podcast- und Tech-Geek. Es ist schwer, hier nur ein paar Empfehlungen abzugeben. Ich habe einmal ein paar meiner aktuellen Favoriten und Evergreens aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt – ganz bewusst nicht nur aus den Bereichen IT und Recht – denn wer den Blick nicht weitet, wird schwer innovativ sein 😉 

Ein Podcast von drei jungen Anwälten, die im Bereich International (commercial und investment-) Arbitration arbeiten. Der Podcast widmet sich den „evergreens“ der Themen im Bereich Arbitration ebenso wie aktuellen Themen. Wer sich im Studium für Schiedsverfahren interessiert und/oder an einem der internationalen Moot Courts teilnimmt, sollte hier einmal reinhören. 

Dieser Podcast ist ein Vertreter des Staffel-Formats, das die Macher von „Serial“ bekannt gemacht haben. Jede Staffel – es gibt derzeit zwei – erzählt die Geschichte einer der Apollo-Mondmissionen. Derzeit höre ich die Staffel 2, die sich mit dem „erfolgreichen Fehlschlag“ von Apollo 13 beschäftigt. Der Podcast ist – typisch BBC – hochkarätig produziert (die Titelmusik stammt von Hans Zimmer, der sonst Hollywoodfilme vertont). Interessant wird er durch die vielen Zeitzeugen, u.a. natürlich Apollo-Astronauten, mit denen die Macher gesprochen haben. Eine faszinierende Geschichte – nicht zuletzt auch mit Einblicken in aus der Not erzwungene Innovation – in einem tollen Format! 

Wenn man früher die Nachrichten des Tages eingeordnet bekommen wollte, schaute man die Tagesthemen oder das Heute Journal. Das mache ich manchmal auch, aber viel öfter höre ich DLFDT und lasse mir die wichtigsten Themen des Tages in diesem lockeren, aber oft sehr tiefgründigen Interview-Format einordnen. 

Ich hasse politische Talkshows, in denen sich Politiker in ewig langen Platitüden ergießen und trotzdem nichts sagen. Aber dieser Podcast (gleichzeitig eine Fernsehsendung im RBB) ist anders: Hier reden nicht Politiker, sondern vier Journalisten, die durchaus Spaß an kontroversen Diskussionen haben, gleichzeitig die Hintergründe gut kennen und auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Jörh Thadeusz‘ augenzwinkernde Moderation gibt ihr Übriges dazu. Der Podcast ist nie langweilig und bietet ausgewogene Information zu aktuellen Themen, die von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Klasse!

Ich bin seit einigen Jahren Mac-User. Dieser Podcast hat mich von meinem ersten Schritt ins Apple-Universum begleitet. Gehosted wurde er seinerzeit von den beiden Anwälten (!) David Sparks und Katie Floyd. Floyd hat sich vor einigen Monaten zurückgezogen, an Sparks‘ Seite übernahm dann Stephen Hackett. Hier gefällt mir ganz besonders der Wechsel zwischen Themen-Shows, die sich einem Thema (zB: Email) oder einer bestimmten App sehr fundiert widmen, und Interview-Shows mit vielseitigen Gästen. Ich lerne in jeder Folge etwas dazu!

Die drei Entwickler und Tech-Blogger Marco Arment, John Siracusa und Casey Liss wollten eigentlich einen Podcast über Autos aufnehmen, gerieten aber schnell ins Gespräch ihres zweiten Herzensthemas: Technik und IT, alles rund um Apple. ATP ist (neben einigen anderen Institutionen wie John Gruber’s „The Talk Show“) einer der am besten etablierten und fundiertesten Tech-Podcasts aus der Apple-Welt. Ganz konnten die drei von den Auto-Themen übrigens nicht die Finger lassen – fast in jeder Folge gibt es einen kurzen Abschnitt dazu am Ende. Der Vor- und Nachspann stammt übrigens vom „Song-a-Day“-Macher Johnathan Mann.

Dennis Horn und Jörg Schieb präsentieren den stets gut recherchierten, unterhaltsamen Podcast zu Technologie- und Digitalthemen des WDR. Dennis kenne ich schon lange – wir haben, bevor es überhaupt „Podcasts“ gab, mal Internetradio zusammen gemacht. Auf diesem Wege viele Grüße!

Marc:

Ursprünglich auf 50 Gegenstände angelegt und zwischenzeitlich erweitert, widmet sich die BBC den größten Erfindungen der letzten Jahrhunderte. Immer spannend und auf den Punkt. 10/10 Production-Value.

Stark inspiriert durch den von Sebastian vorgestellten ATP-Podcast widmet sich Timo Hetzel mit Begleitung den wöchentlichen Themen der Tech-Welt. Mehr Inhalt als ein reiner Laber-Podcast, aber dennoch teilweise ausschweifend. Schön für zwischendurch.

Ein Klassiker, der wenig Erläuterungen bedarf. Politik, Recht & starke Meinungen.

Mit technischer Expertise, Routine und guter Dynamik widmen sich Tim Pritlove und Linus Neumann politischen und rechtlichen Fragestellungen im digitalen Raum. Man stimmt vielleicht nicht jeder These zu, verlässt den Podcast jedoch immer mit Erkenntnisgewinn. Wer mehr von Tim Pritlove sucht, findet auf www.metaebene.me seine sonstigen Angebote. Außerdem war er bei Irgendwas mit Recht in einer coronabedingten Spezialfolge zu Gast (https://www.irgendwasmitrecht.de/046).

Hier gibt’s Tipps und Tricks zu Foto- & Videografie. Aus aktuellem Anlass besonders zu empfehlen ist Folge 79: „Time for Everyone to Learn how to Stream“ (https://www.stalmanpodcast.com/79).

… ist eine fünfteilige, abgeschlossene Audiostory des Städel Museums in Frankfurt. Darin geht es um die Frage, wo das „Bildnis des Dr. Gachet“ von Van Gogh verblieben ist. Eine auditive Schnitzeljagd mit vielen Hintergründen zum internationalen Kunstmarkt.

Fun Fact: Laut Podcast-App habe ich seit Oktober 2017 insgesamt 86 Tage lang Podcasts gehört, wobei mir das „Trim Silence“-Feature 14 Tage Stille ersparte. Das dürfte erklären, warum meine Watchlist für Serien und Filmen konstant größer wird…

Fehlt etwas? Welche Podcasts & Bücher sind in Euren Top5?

Herzliche Grüße & viel Spaß beim Stöbern in obigen Empfehlungen 🙂

Claudia, Sebastian und Marc

Über Marc und "Irgendwas mit Recht"

Marc Ohrendorf, LL.M. (UCL, London) ist Rechtsanwalt und Podcast-Gastgeber in Köln. Talk to him about: Talk to him about: Verhandlungsmanagement, Wirtschaftsrecht & Legal Tech.